[ Expedition ] Der Sörmlandsleden im Herbst

Moin moin,

Wir sollten mal wieder eine Tour machen“ sagte Alex Ende Sommer zu mir und somit begannen die ersten Überlegungen wie diese aussehen könnte.

Während ich für das Gebirge in Andorra war, überlegte Alex in genau der entgegengesetzter Richtung.
Seine Vorstellung lag in Skandinavien.

Nach ein paar Recherchen und ein paar Telefonaten später wurde es konkret. Es sollte nach Schweden, genauer gesagt in die schwedische Region Sörmland gehen.
Diese Region lässt sich einfach mit dem Flugzeug erreichen.

Mir war bekannt, das in der Nähe vom Flughafen Stockholm Skavsta ein Fernwanderweg verläuft.
Es handelt sich um den Sörmlandsleden.
Schwedens längstes Wanderwegsystem mit über 1000km und 62 Haupt- und 33 Neben- bzw. Alternativetappen.
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Nachdem wir nun unser Reiseziel hatten, ging es an die Planung.
Während sich Alex um die An- und Abreise kümmerte, erstellte ich unsere Route und plante die Übernachtungen.
Hier kommt uns das Allemansrätt zugunsten.
Vielen sicherlich als Jedermansrecht bekannt. Dabei handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um das Recht in der Natur sich frei zu bewegen und aufzuhalten. Zelten sowie Feuer machen im Wald ist damit unter bestimmten Regelungen erlaubt.

Nachdem nun alles konkreter war, machten wir uns an die Packlisten für unsere Rucksäcke.
Die Devise war: So leicht wie möglich!!!
Aufgrund unser vorigen Touren haben wir mittlerweile unser Equipment an die „Leichtigkeit“ angepasst und somit mussten wir hauptsächlich auf die Nahrung achten.
Was ist leicht und hat zugleich viele Kalorien?

Wir entschieden uns für:
100g Müsli + 100g Studentenfutter als Frühstück
200g Müsli bzw Energieriegel als Zwischennahrung
200g Reisgerichte als Abendmahlzeit.

Somit betrug die Nahrung ein Gesamtgewicht von 3200 Gramm â 600g / Tag.
Dies war für uns ein akzeptabler Wert und die Planung war somit beendet.

Dann machten wir uns am 05.10.2014 mit dem Flixbus auf nach Bremen, um von dort aus nach Schweden zu fliegen.
Am Flughafen angekommen, mussten wir erst mal  unser Gepäck komplett neu packen.
Unsere Zeltstangen sowie Heringe, Messer, Säge und allerlei Dinge die nicht mit ins Handgepäck durften, gaben wir am Schalter ab.

Dann ging auch schon der Flieger und die Reise begann.
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Auf schwedischen Boden machten wir uns als erstes auf ins Hotel und gaben dort unseren Koffer auf und packten erneut unsere Rucksäcke.

Und los geht es.
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Der Wanderweg verlief direkt vor unserem Hotel und wir wanderten einen knappen Kilometer und wir hatten unser erstes Lager erreicht.
Wäre es nicht so spät gewesen hätten wir ganz sicher noch mehrere Kilometer zurück gelegt aber für heute ist leider keine Zeit mehr dazu übrig.
Wir schlugen unsere Zelt in einem Wald auf und kocht uns unser Abendbrot.

Am nächsten Tag ging es, wie üblich, früh los um ordentlich Strecke zu schaffen.
Wir durchquerten Nyköping und machten noch einen kleinen Zwischenstopp in einem Sportgeschäft um uns mit Gas zu versorgen.
Auf den Weg dorthin unterhielten wir uns noch mit einen Passanten der uns den Weg zeigte.

Nachdem wir nun komplett ausgerüstet waren, verließen wir auch schon nach kurzer Zeit die Stadt und fanden uns in der weite Schwedens wieder.
Einfach herrlich.
Meine letzte Reise nach Skandinavien lag gerade mal 2 Wochen her und ich fühlte mich gleich wieder heimisch.
Die Natur hier oben ist einfach schön.

Während wir noch ein paar Kilometer auf einer Landstraße liefen, führte unsere Route nach einen paar Kilometern in den Wald hinein.
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Nach rund 25 Kilometern hatten wir unser zweites Lager erreicht und schlugen unsere Zelt im Wald auf.
Während Alex noch seine Field Notes aufschrieb, machte ich mich an unser Abendessen.
Dieses war nach einer kurzen Zeit servierfertig und es gab die erste warme Mahlzeit an diesem Tag.
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Der nächste Morgen weckte uns mit trockenem Wetter. Wir nutzten die Gelegenheit um unsere Kleidung und Schlafsäcke an der trockenen Luft zu lüften, nachdem die ersten zwei Tage uns in leichten Regen gehalten hatten.
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Das Frühstück, Müsli mit Milchpulver dazu Kaffee war schnell zubereitet und so startete der dritte Tag.

Unweit vom Lager entfernt erreichten wir einen mittleren See an dem eine kleine Schutzhütte lag.
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Einladend nutzen wir die Gelegenheit um hier unser „Langschläferfrühstück“ zu uns zu nehmen und kochten etwas Wasser über der Feuerstelle auf, um uns erneut mit einen heißen Kaffee zu verwöhnen.
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Wir nahmen uns vor im See uns noch etwas frisch zumachen doch nachdem der nackte Fuß im Wasser war entschieden wir uns dann doch gegen das sehr, sehr kalte Wasser.

Weiter ging es nach einer herrlichen Pause Richtung Nävekvarn.
Geplant war hier, in der näherer Umgebung, unsere Zelt aufzuschlagen aber als wir am Wegesrand eine Übersichtskarte fanden, auf der weitere Schutzhütten eingezeichnet waren, wussten wir das wir diese suchen würden.
In Nävekvarn wollten wir uns im Touristenbüro informieren. Dieses jedoch hatte leider schon geschlossen.
Während wir uns beratschlagten, wie und was wir nun machen, öffnete sich auch schon die Tür vom Yachtclub und eine nette schwedische Stimme bat uns herein.

Im Innerem wurde uns Kaffee und Plätzchen angeboten, nachdem man Fragte was wir zu dieser Zeit im Ort suchten.
Wir erklärten den Herren das wir uns auf dem Sörmlandsleden befinden und gerade eine Schutzhütte suchten. Zufällig war ein ortsansässiger Jäger mit von der Partie und erklärte uns, das die Hütte die wir suchten, bei ihm im Jagdgebiet befindet.

Wir nutzen das Internet um uns die genauen Koordinaten heraus zu suchen und machten uns dann auf, um zur Hütte zu gelangen. Diese lag knappe 5 Kilometer entfernt im Wald.
An der Hütte angekommen staunten wir erst einmal. Sie lag nämlich an einer alten Miene in der früher Kupfer gefördert wurde.
Viel zu sehen ist nicht mehr, nur noch ein tiefes Loch im Erdreich welches sich mit laufe der Jahre mit Wasser gefühlt hat. Eine Infotafel in der Nähe der Hütte liefert noch weitere Informationen.

Schnell wurde wieder das Lager hergerichtet und ich begann mich wie gewohnt ums Feuer zu kümmern.
Alex sammelt in der Zeit noch etwas Feuerholz, während ich mich um den Zunder kümmerte.
Nach wenigen Minuten brannte auch schon unser Feuer und wir begannen mit dem bequemen Teil, einfaches „Nichts-Tuen“

Unser Wasser kochte langsam vor sich hin, während wir das „knistern“ des Lagerfeuers genossen.
Alex schrieb seine Erlebnisse, Gedanken und Empfinden in sein Buch, während ich unser Abendessen zubereitete.
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Dann legten wir uns zurück, genossen die Wärme, welche vom Feuer ausgestrahlt wurde und philosophierten gemütlich in der Hütte.
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Die Geräusche der Flora und Fauna, sowie das Sonnenlicht begrüßten und weckten uns am nächsten Tag. Es sollte ein herrlicher Tag werden, denn es waren kaum Wolken am Himmel zu erkennen.
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Wir hinterließen die Hütte so wie wir sie aufgefunden haben, wenn nicht sogar sauberer als vorher und machten uns auf den Weg.

Wir liefen durch den kleinen Ort „Koppatorp“ in dem ein kleines Museum errichtet worden war und weiter Informationen bereit hielt.
Wir schauten uns ein wenig um als wir uns weiter auf zum Simonberget machten.
Am Fuße des Berges machten wir noch eine kleine Verschnaufspause, bevor wir uns an den Aufstieg machten.

Glücklicherweise führt der Sörmlandsleden bzw. eine Etappe, über diesen Berg und wir musste nicht von unserer Route ab.
Der Aufstieg gestaltet sich recht einfach. Es gibt viele Sprossen die man nutzen kann und nach zirka einer halben Stunde standen wir auch schon auf dem Gipfel bzw auf dem Plateau.
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Geziert ist der Berg von einer einfachen Bank, die bei besten Sonnenschein zu einer Pause einlädt. Wir nutzen die Gelegenheit und pausierten erneut bei strahlenden Sonnenschein.
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Nach der Pause ging unsere Wanderschaft weiter und wir konnten in weiterer Entfernung ein Elch auf der Weide grasen sehen. Leider zu weit weg um ihn zu fotografieren.

Der Tag sollte sich langsam dem Abend nähern, als wir bei einen kleinen Atelier nach dem Weg fragen mussten, da wir wieder eine Hütte ansteuern wollten.
Freundlich weiste man uns den Weg und gab uns noch Wasser und Äpfel mit auf dem Weg.
Nur noch ein kleines Stück durch den Wald – von wegen. Der Weg sollte doch länger werden als gedacht und es fing langsam an zu dämmern.
Weiter, immer weiter wanderten wir in den Wald hinein, in der Hoffnung hinter dem nächsten Baum stehe endlich die Schutzhütte.
Nach gefühlten 10 Kilometern dann endlich: „Ich kann sie sehen
Wir hatten die Hütte erreicht.
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Feuer? Ne, das dauert nun zu lange.
Isomatten aufgepustet, Kocher an, Essen zubereitet – Fertig.
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Zu mehr hatten wir heute keine Lust und Kraft mehr.
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Am nächsten Morgen wurde dann die Strecke nochmal geplant.
Wieso sind wir eigentlich schon so weit gekommen?
Irgendwie haben wir solch ein Tempo vorgelegt das wir zu schnell wären, wenn wir weiter wandern würden. Und so entschieden wir uns dafür, einmal nach Oxelösund zu wandern und die Nacht wieder in der selben Hütte zu verbringen.

Wir „versteckten“ ein paar Gegenstände aus unseren Rucksäcken und machten uns dann auf in die Stadt.
In der Stadt selber gab es für uns nicht wirklich viel zu erkundigen und wir tranken ein zwei Kaffees und fühlten unsere Wasservorräte auf und wanderten wieder zurück zu unserer Hütte.

Angekommen bereiteten wir wieder alles wie gewohnt zu und planten den nächsten Tag.
Wir dachten uns, das wir uns „Essen und Trinken“ verdienen müssten bzw. machten wir uns das als Aufgabe.

Dann wanderten wir am nächsten Morgen los in Richtung Nyköping.
Dort wollten wir uns dann in die Fußgängerzone setzten und unseren Plan in die Wirklichkeit umsetzen.

Wir suchten uns eine Bank, legten unsere Rucksäcke vor uns nieder und schrieben ein kleines Schild.

Ja und dann saßen wir da nun. Mitten in der Innenstadt von Nyköping und waren am „betteln“.
Wobei doch die Frage blieb: „Ist es wirklich betteln?“ – schließlich konnten die Passanten es aussuchen ob sie uns nur Geld gaben, oder ob sie einfach „tauschen“ würden.

Viele Blicke vielen auf das Schild, dann zu uns, dann wieder auf das Schild zurück und mussten die Passanten schmunzeln.
Einige Fragten nach woher wir kommen, wie lange wir schon auf dem Leden unterwegs sind und wohin die Reise nun geht. Andere hingegen lächelten und gaben uns wirklich etwas Geld.

Wir selber hätten nicht damit gerechnet bedankten uns aber sehr höflich.

Ich muss hier selber sagen, es war ein sehr komisch Gefühl. Begleitet von Gedanken ob es das „richtige“ ist, was wir hier gerade tun und ob es „moralisch“ verwerflich ist.
Leider bin ich bis heute zu keiner klaren Antwort gekommen.

Späten Nachmittag machten wir uns dann auf um zur letzten Hütte zu gelangen.
Auf den Weg dort hin  kamen wir noch an einen großen Einkaufsladen vorbei, wo wir die schwedischen Kronen gegen frische Nahrung tauschten.
Wir kauften frische Makrelen so wie etwas Schokolade, Marshmallows und Trinken.

Danach ging es weiter zu einem großen See, an dessen Ufer die Hütte lag.
Was für ein schönes Plätzchen. Ein See umgeben vom Wald an dessen Ufer noch eine kleine Hütte steht.
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Schnell schlugen wir unser Lager auf und jeder machte wieder die typischen Abläufe. Alex bereitet das Essen vor, während ich Holz für das Feuer sammelte.
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Nachdem wir alles vorbereitet hatten, kamen noch zwei belgische Wanderer vorbei und fragten uns: „Könnten wir evtl. unser Zelt mit hier aufschlagen? Wir haben seid drei Tagen nasse Schuhe und Kleidung.

Natürlich gab es für keinen Grund die beiden weg zu schicken und sie freuten sich über die Wärme die das Feuer abstrahlte.
Schnell hatten sie ebenfalls ihr Lager aufgeschlagen und die ersten Gegenstände um das Feuer herum platziert um diese zu trocknen.

Dann gab es ein gemeinsames Abendbrot. Die Speisen wurde geteilt. Wir gaben etwas von unserem Fisch ab und bekamen dafür Couscous sowie etwas Whiskey.

Es war eine gemütliche Runde. Viele Informationen wurden ausgetauscht und so verlief der Abend in tiefen Gesprächen vor dem Feuer seinen Ende hinzu.
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Am nächsten Morgen machten sie dann die beiden auf den Weg zum Flughafen, während wir noch einen Tag haben.
Wir packten dann ebenfalls unsere Sachen, verabschiedeten uns von den beiden, saßen dann noch eine Weile in der Hütte und wollten uns dann ebenfalls auf den Weg machen als es plötzlich anfing zu regnen.

Als es dann nach einer Stunde immer noch nicht aufgehört hat, fing ich an mir ein kleines „Notlager“ herzurichten. Alex ebenfalls inspiriert davon tat dem gleich.
Es hörte einfach nicht mehr auf zu regnen und aus dem Notlager wurde dann wieder unser richtiges Lager und wir verbrachten den ganzen Tag in der Hütte.
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Unser Wasser war mittlerweile leer und es stellte sich die Frage woher wir nun neues bekommen würden.
Kurzerhand stellten wir dann alle unsere Gefäße nach draußen und fingen das Regenwasser auf.

Dann hörte es endlich auf zu Regnen und ich übergab Alex noch eine Kleinigkeit zu essen.
Die Kleinigkeit, welche eine Delikatesse war, wurde kritisch entgegengenommen.

Es handelte sich nämlich um Surströmming – saurer Hering.
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Wir nutzen die Zeit um die Verkostung auf Video festzuhalten.
Seht am besten selbst:

Dann wurde es leider auch schon wieder Zeit in die Schlafsäcke zu kriechen und gute Nacht zu sagen.
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Der nächste Morgen klarte auf und ein herrlicher Sonnenaufgang weckte uns an diesem Tag.
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In aller Seelen Ruhe packten wir unsere Sachen und gingen mit etwas Wehmut die letzten Kilometer zu unserem Hotel um dort die letze Nacht zu nächtigen, bevor morgen unser Flieger in die Heimat zurück geht.

Am Hotel angekommen bekamen wir unseren Zimmerschlüssel und bezogen erst einmal unser Zimmer.
Kaum hatten wir unsere Zelte sowie Schlafsäcke zum lüften aufgehängt, so standen wir auch schon unter der Dusche.
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Das tat vielleicht gut. Nach so einer langen Zeit warmes Wasser zu spüren ist einfach herrlich.
Gefühlt duschten wir eine Ewigkeit bevor es zum Abendbrot ging.
Unser Zimmer war zum Glück so angelegt, das wir einen großen Balkon hatten, auf den wir unsere letzten Portionen kochten.

Danach ging es in Lobby und wir genossen die Bequemlichkeit der Möbel die hier aufgestellt waren.
Nebenbei besorgte ich mir noch den Wlan Zugang um mit meiner Frau zu skypen, während Alex sich wieder seiner Field Notes widmete.

Alt wurden wir auf den bequemen Matratzen nicht und wir schliefen früh ein.

Am nächsten Tage weckte mich Alex Stimme mit:
„Tim, stell dir vor die haben hier Brötchen. Steh schnell auf die haben Brötchen.“

Für uns, nach 8 Tagen mit Müsli, ein echter Gaumenschmaus.
Frischer Kaffee, Brötchen, Brot, Joghurt sowie Müsli deckten unseren Tisch.
So Ausgiebig gefrühstückt hatten wir lange nicht und so aßen wir sehr, sehr viel.

Dann war auch leider schon die Zeit gekommen und wir packten zum letzten Mal unsere Rucksäcke und den Koffer um uns auf den Heimflug vorzubereiten.

Gute 10 Tage lagen hinter uns.
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128 Kilometer sind wir durch das Sörmland von Schweden gewandert.
Wir erlebten die Flora und Fauna auf eine völlig neue Art.
Alex ist mit ~17kg gestartet und kam mit ~13kg zurück
Ich bin mit ~14kg gestartet und kam mit ~9kg zurück.

Anbei noch ein kleines Video:

Unsere Route:

Weitere Fotos findet ihr hier:

Greetz

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