[ Expedition ] Durch die Hardangervidda zur Trolltunga

Einmal auf der Trolltunga stehen, wer träumt nicht davon? Und somit machen Berufsgeocacher und ich mich auf die Reise in den hohen Norden…
Vielen ist die Trolltunga von bekannten Selfies bekannt, die man in den sozialen Medien findet.
Um kurze einmal auf die Trolltunga einzugehen, handelt es sich hierbei um einen horizontalen Felsvorsprung in Norwegen. Dieser liegt gute 700 Meter über einen See.
Trolltunga, zu deutsch Trollzunge, liegt selber auf einer höhe 1100 Meter über den Meeresspiegel. Zudem gehört die Trolltunga zu den spektakulärsten Felsformationen in Norwegen.

Auf meiner Reise 2014 zum Nordkap üblerlegte ich mir zur Trolltunga zu reisen, allerdings blieb damals keine Zeit mehr dazu.

Und somit machte ich mich 3 Jahre später auf die Reise zur Trolltunga, denn nach langem war mal wieder eine Reise nötig und somit sprach ich mit meinem Reisepartner mögliche Ziele durch.
Sein Vorschlag war, mit dem Fahrrad nach Dänemark zu fahren. Ich hingegen wollte allerdings weiter in den Norden und hatte schon lange die Trolltunga auf der Watchlist.

Lange hat es nicht gedauert bis ich Alex überredet hatte und somit ging es an die Planung.
Wo werden wir in die Hardangervidda starten?
Wie viele Tage würden wir brauchen bis wir an der Trolltunga stehen?
Ist es möglich die Hütten des DNT zu nutzen?
Welche Fähren kommen für uns in Frage?
Ist es überhaupt möglich diese Tour mit einen Hund zu absolvieren?

Nachdem wir auf alle Fragen eine Antwort hatten, ging es in die zweite Phase der Planung – Buchung der Fähren, Beschaffung weiterer Ausrüstung und Ausfertigung des Zeitmanagements.

Am Samstag den 16.09 war es dann endlich soweit und wir machten uns morgens in Flensburg auf den Weg um an die Spitze von Dänemark zu fahren.
Auf der Strecke sollten aber noch zwei Hotspots liegen – nämlich Rudbjerg Knude und Skagen an der Spitze von Dänemark.
Bei herrlichem Wetter erreichten wir die riesige Wanderdüne und konnten den Leuchtturm (Earthcache) und deren Umgebung erkunden.
Danach fuhren wir weiter zur Spitze und konnten bei herrlichem Wetter in zwei Meeren gleichzeitig stehen (Earthcache).

Nachdem wir uns das kleine Naturwunder lange genug beobachtet haben, fuhren wir wieder ein kleines Stück zurück nach Hirtshals.
Von hier aus sollte nur wenige Stunden später unsere Fähre nach Kristiansand starten.

Knappe 4 Stunden später erreichten wir auch schon den Hafen und fuhren ein kleines Stück aus der Stadt, um in Ruhe auf einem Parkplatz zu schlafen (GC4GVW2).

Früh wurden wir beide wach und genossen die Aussicht auf die schöne Landschaft von Norwegen. Schnell noch eine kleine Runde mit dem Hund und dann ging die Fahrt auch schon wieder weiter.

An sich verlief die Fahrt unspektakulär wäre da nicht immer wieder die schöne und raue Natur von Skandinavien.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir den Parkplatz von Kinsarvik an dem unsere Tour starten sollte.
Es war bereits 15:30Uhr und zum aufbrechen war es leider schon zu spät und somit entschieden wir uns den Start auf den nächsten Morgen zu verlegen.

– Etappe 1 –

Dann war es auch schon so weit.
Der nächste Morgen brach an und wir packten in aller Ruhe unsere Rucksäcke und überprüften ein letztes Mal unsere Ausrüstung, denn wir würden erst in einer knappen Woche wieder zurück am Auto sein.
Unsere Tour begann an einem herrlichen Fluss (Kinso) bei herrlichem Wetter. Strahlender Sonnenschein begleitete uns den ganzen Tag über hinauf in die Hardangervidda. Wir kamen immer wieder an schönen Stellen für eine Pause vorbei, allerdings mussten wir diese schönen Plätze links liegen lassen, da unser Ziel sich in gut 14km Entfernung befindet.

Nach knapp 4 Stunden hatten wir für heute den höchsten Punkt der Route erreicht und es wurde Zeit für unsere Mittagspause.
An einem kleinen See machten wir also Rast und kochten unser Essen und schonten unsere Kräfte.
Von hier aus sind es nur noch zirka 5km bis zu unserem ersten Ziel – die Stavali Hütte .

Diese erreichten wir auch nach weiteren Stunden und wir waren froh endlich unser erstes Ziel erreicht zu haben.

Im Inneren der Hütte angekommen, merkten wir sofort die Wärme, was darauf hin deutet das wir nicht alleine sind. Nachdem wir unser Zimmer bezogen und das Bett gemacht hatten, gingen wir beide in den Aufenthaltsraum und unterhielten uns bei einer schönen Tasse Kaffee mit den anderen Wanderern.

Immer wieder spannend was für Geschichten hierbei auf den Tisch kommen.

Hier oben im Norden wurde es schon deutlich früher dunkler und somit bliebt uns nichts anderes übrig als auch ins Bett zu krabbeln und die Nacht erholsam zu schlafen.
Entfernung: 14,34 Kilometer – Zeit: 5std 22min


 

– Etappe 2 –

Der nächste Morgen begrüßte uns dann leider mit nicht mehr so schönem Wetter. Wolken hingen in der Luft und an den Scheiben unseres Fensters hingen kleine Tropfen, was darauf hin deutet das es ein kalter, feuchter und ggf. windiger Tag werden würde.
Ausgerechnet heute, da wir am zweiten Tag unsere längste Etappe hatten.
Diese führte von der Stavali Hütte hinüber zur Hadlaskard Hütte  in ~21km Entfernung.
Das einzig Positive an dieser Etappe war, dass sie hauptsächlich bergab verlief.

Somit machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück fertig, starteten unsere GPS-Geräte, schnürten die Stiefel zu und machten uns auf den Weg.
Die Temperaturen lagen knapp unter 10°C und immer wieder setzte leichter Niesel bis Regen ein. Wind ist auch immer mal wieder aufgezogen und somit wurde diese Etappe eine echte Herausforderung und zerrte ziemlich an unseren mentalen Kräften.

Leider war von der schönen Landschaft hier oben nicht allzu viel zu sehen, denn die Wolken hingen mittlerweile ziemlich tief und somit konnte man immer nur kleine Augenblicke erkennen.
Nachdem wir die ersten beiden größeren Seen passiert hatten, überholten wir noch ein Pärchen, erklärten ihnen noch den Weg und gingen weiter hinein in die Hardangervidda.

Nach gut 10km kamen wir an einer kleinen Jagdhütte an, die uns mit einer überdachten Veranda Schutz vor den Witterungen bot. Zum Glück war der Geräteschuppen offen und wir fanden dort eine isolierende Unterlage auf die wir uns setzten.
Ziemlich durchnässt und halb erfroren kochte ich mir mein Mittag. Alex hingegen reichten seine Panzerplatten.
So schön eine Pause auch ist, irgendwann muss man allerdings wieder weiter und so kam es dann auch.

Wir legten alle Gegenstände wieder zurück und wanderten weiter in der schroffen Wildnis Norwegens.
Für mich total herrlich. Ich bin gerne alleine und ausgesetzt. Hier wird einem einfach bewusst wie wertvoll unser Leben ist. Es ist einfach einzigartig. Jeden Tag erwarten uns neue Herausforderungen und wir lernen mit jedem weiteren Tag neue Erfahrungen.

Wie dem auch sei, wir umrundeten einen weiteren großen See und kamen immer wieder an weiteren Jagdhütten vorbei.
Wie herrlich muss es in diesen im Winter sein. Dann, wenn alles mit einer Schneeschicht bedeckt ist. Herr Frost täglich an der Scheibe klopft und die Temperaturen bis -20°C fallen?

Nach guten 15km kamen wir an einer kleinen Siedlung an, die sich an einen Fluss gebildet hat. Hier wollten wir eine kleine weitere Pause einlegen, doch der einsetzende Regen zwang uns dazu weiter zu wandern.
Hier mussten wir auch unsere erste Hängebrücke über den Fluss nehmen. Sah am Anfang auch leichter aus als Gedacht. Zwar sind die Brücken mit Stahlseilen gesichert und auch gut im Boden verankert, doch schwingen sie beim überqueren hin und her.

Nun standen uns die letzten Höhenmeter bevor, die sich doch noch ordentlich ziehen sollten.
Wenn man schon den ganzen Tag draußen unterwegs ist, reicht die kleinste Erhebung aus, um einen finalen Schlag zu geben und man möchte nur noch aufgeben und sofort zurück nach Hause in seine Komfortzone.

Aber wir kämpften uns den Weg durch den Regen weiter zur Hütte die nach knapp 21km auch endlich in Sichtweite kam. Aus dem Schornstein stieg Rauch auf, welcher verriet, das wir auch in dieser Hütte nicht alleine sind und dass es in ihr bereits warm ist.
Nur noch eine weitere Hängebrücke überqueren und wir haben unser Tagesziel nach 7std. Gehzeit und 21km erreicht.

Im inneren der Hütte war es wie zu erwarten schön warm, dennoch heizten wir  den zweiten Ofen ein, damit wir unsere Kleidung bis zum nächsten Tag trocken bekommen.

Diese Hütte war deutlich kleiner als die erste aber es fehlte ihr nicht an Gemütlichkeit.
Immer wieder schön mit anderen Wanderern am Tisch zu sitzen und ihre Geschichten zu hören.

Von einem älteren Pärchen, was eine knappe Stunde später ankam als wir, erfuhren wir, dass sie heute auf den Hårteigen waren. Dieser Berg stand auch auf unserer Liste. Leider hing er die ganze Zeit in den Wolken und das Pärchen verriet uns, das es sich nicht lohnt bei einem solchen Wetter aufzusteigen.

Somit waren unsere Pläne für den nächsten Tag gemacht. Wir steigen nicht auf.

Nach ein paar Stunden des Aufwärmens und Trocknens sämtlicher Kleidung machten wir uns auf ins Bett.
Hier besprachen Alex und ich noch einmal das weitere Vorgehen für den nächsten Tag.

  • weiter wandern
  • einen Tag Pause machen
  • schlafen und morgen entscheiden

Wir entschieden uns für letzteres und schliefen ein.
Entfernung: 21,08 Kilometer – Zeit: 6std 58min


 

– Etappe 3 –

Am nächsten Morgen schauten wir beide aus dem Fenster und der Anblick war derselbe geblieben. Regen, Wind, Nebel und Kalt sollte es werden.

Wirklich kein gutes Wanderwetter. Noch einmal überlegten wir, was wir nun machen.
Aufgrund dessen, das die nächste Hütte nur knapp 10km entfernt liegt, entschieden wir uns weiter zu ziehen. Mit nur knapp 4 std. Gehzeit liegt sie nicht all zuweit weg.

Nachdem wir mit dem Frühstück fertig waren und uns angezogen hatten, ging es auch schon wieder raus in die Wildnis Skandinaviens.

Das Wetter war nach wie vor kalt und regnerisch. Zudem hatte der Wind deutlich an Stärke bekommen was den Aufenthalt hier draußen wirklich fürchterlich machte.

So ist es aber nun einmal hier oben und wir wanderten los.

Schnell machten wir die ersten Höhenmeter und es wurde immer kälter und ungemütlicher. Nach ein paar Kilometern kamen wir dann aber an unsere ersten größeren Hindernisse.
Steile Pfade führten hinauf auf die Bergkuppen, die durch den Regen ziemlich glatt und rutschig waren. Immer wieder mussten wir gucken, dass wir alle gut nach oben kamen. Der Wind drückte einen immer wieder ziemlich nahe an die Kanten. Und hinab fallen wollte keiner. Selbst Pinky, die an sich gut voran kam, musste sich unter die Arme greifen lassen, denn es waren ordentliche Absätze, die sie nicht mehr hoch springen konnte.
Nun kamen uns auch schon die ersten Schneefelder entgegen die wir ebenfalls überqueren mussten. Zum Glück waren die Hänge hier oben nicht sonderlich steil und wir konnten alle Felder problemlos passieren.

Immer weiter ging es hinauf auf die Handangervidda und die Gegend hatte sich langsam in eine Berglandschaft verwandelt. Steil und auf einem kleinen schmalen Pfad ging es immer noch weiter hinauf an den man nach wie vor nicht links hinunterfallen möchte.

Nachdem wir den Pass passiert hatten, ging es wieder ein kleinen Stück hinunter. Aufgrund des Schnees war es nicht immer leicht auf dem Weg zu bleiben und somit machten wir hin und wieder ein paar extra Meter, um wieder zurück auf den Pfad zu kommen.

Nachdem wir einen kleinen Fluss passiert hatten, war es nicht mehr weit. Mehr als die Hälfte hatten wir schon und noch einmal hieß es, bergauf.

Mittlerweile waren wir schon wieder völlig durchnässt und waren sehr froh als wir die Torrehytten erkennen konnten.

Unten angekommen bezogen wir sofort die Hütte und hingen erneut all unsere Kleidung zum trocknen auf. Mittlerweile ging das Wetter an die Substanz. Jegliche Motivation schwand mit jeder weiteren Stunde. Ein innerlicher Kampf, den man jeden Tag auf ein neues gewinnen musste.

Nichtsdestotrotz.
Ofen anheizen und bei einer starken und heißen Tasse Kaffee wieder zu kräften kommen.

Nach einer Weile kamen dann zwei Bauarbeiter hinein und begrüßten uns freundlich. Diese waren am Nebengebäude am arbeiten (neue Toilette und ein Depot).

Zum späteren Nachmittag kamen dann die nächsten Wanderer. Diese waren allerdings gleich 4 an der Zahl. Eine kleine Gruppe von Belgiern, die von der Stavali Hütte aus gestartet waren.

Abends im Bett das gleiche Spiel. Was machen wir am nächsten Tag?
Wir überlegten, ob wir ebenfalls zurück zur Stavali wandern sollten und dann zurück zum Auto gehen und dann die Trolltunga an einem Tag machen. Diese Idee verworfen wir allerdings gleich wieder, da wir ja nun schon auf der Hardangervidda waren und somit uns einen weiteren Auf- und Abstieg sparen würden. Und somit entschieden wir uns ein weiteres Mal am nächsten Tag eine Entscheidung zu treffen.

Diese Nacht war deutlich kälter als die anderen, was daran lag, das die Hütte deutlich höher lag.
Entfernung: 11,30 Kilometer – Zeit: 3std 24min


 

– Etappe 4 –

Früh am Morgen wurden wir wach und konnten sehen, dass die Belgier bereits am aufbrechen waren. Sie hatten nun den selben Plan wie wir. Einfach weiter zur nächsten Hütte wandern.

Und so machten wir uns ein oder zwei Stunden später auf den Weg zur nächsten Hütte. Die Tyssevassbu. Knappe 20 Kilometer lag sie entfernt und somit gehört dieser Abschnitt zu unseren zweit längsten.

Wieder einmal verlangte uns das Wetter alles ab. Zwar war aus dem Regen mehr Niesel geworden, dafür hatte der Wind nicht an Kräften verloren und die Temperaturen waren ebenfalls nicht gestiegen. Einzig und alleine, dass es dezent bergab ging, machte das Wandern angenehm.

Und somit wanderten wir weiter in der unberührten Natur Norwegens. Wie schön müsste es hier auch im Sommer sein? Dann würden die ganzen kleinen Seen hier zum baden nur so einladen. Oder eben im Winter, die Tage und Abende vor dem Ofen verbringen und nur hinaus zugehen um Schnee zu holen um daraus Wasser zu machen.

Ein kleiner Pfad führte uns hinauf auf einen weiteren Pass. Leider konnte man nicht erkennen wie dieser endet, da er völlig in den Wolken hing.
Wieder einmal mussten wir über Schneefelder, diese waren nun aber deutlich größer und länger als am Vortag.

„Warum mache ich das eigentlich?“ „Wieso bist du nicht zu Hause geblieben?“ „Verdammt ist das kalt“
Dies sind nur kleine Ausschnitte aus meinen Gedanken.
Glaubt mir, die anderen müsste ich hier zensieren.

Und dann kam das nächste große Hindernis.
Ein Fluss musste überquert werden. Nur leider hing hier weit und breit keine Brücke über dem Fluss und aufgrund des Regens ist der Wasserstand deutlich angestiegen.
Was tut man dann also bei knapp 3°C?
Richtig – Schuhe ausziehen, Hose hoch krempeln und durch den kalten Fluss waten.

Kaum auf der anderen Seite angekommen, zogen wir uns schnell wieder die Socken an und steckten unsere kalten Füsse wieder in die Schuhe und wanderten weiter.

Nach ein paar Kilometern hatten wir unsere Füsse auch wieder warm was uns aber nicht viel brachte, denn der nächste Fluss lag vor uns und somit müssten wir ein zweites mal aus unseren Schuhen und durch den Fluss.

Spät am Nachmittag und nach etlichen Kilometern erreichten wir die nächste Hütte. Wieder einmal waren wir 6 Stunden auf den Beinen. Hoch runter, links rechts, rutschig und locker war der Weg gewesen. Schneefelder, Bäche und atemberaubende Blicke in die Natur lagen erneut hinter uns.

Auffällig war, dass aus der Hütte gar kein Rauch aufstieg. Wo sind denn die Belgier?
Diese müssten doch schon lange vor uns angekommen sein und den Ofen eingeheizt haben.

Im inneren gab es dann die Erklärung. Diese Hütte hatte Strom und somit wurde auch die Heizung betrieben.
Ein wahrer Luxus hier oben. Natürlich waren alle Steckdosen mit sämtlichen Ladekabeln und Geräten belegt. Wer weiß schon, wann es wieder Strom geben wird.
Nun war es nur noch eine Tagesetappe bis zur Trolltunga und bei mir schlich sich schon das erste Mal Wehmütigkeit ein. Wenn wir an der Zunge sind, ist die Reise und das Abenteuer ja schon wieder vorbei. Schade eigentlich aber so ist es mit jeder Reise.

Lange unterhielten wir uns noch mit den anderen als es dann abends wieder ins Bett ging.
Entfernung: 20,54 Kilometer – Zeit: 6std 09min


 

– Etappe 5 –

Der nächste Morgen brach für uns ziemlich spät an, was daran lag, das es nur 7 Kilometern bis zur Zunge waren und wir uns nicht stressten.

Die Belgier waren schon lange verschwunden als wir uns auf den Weg machten. Das Wetter wurde dezent besser. Nur noch vereinzelt Regen verdarb uns die Stimmung aber die Vorfreude wurde mit jedem Kilometer die wir der Trolltunga näher kamen größer.

  • Wie würde sie wohl sein?
  • Sind wir alleine?
  • Traue ich mich an die Kante zu setzen?

Dieses und noch viele weitere Fragen begleiteten mich an diesem Tag.
Unsere Route verlief an vielen größeren Seen, die nur so zum verweilen einluden. Pause machten wir allerdings keine. Jedenfalls keine Größere.

Wir waren mittlerweile so im „Wandertrott“, dass wir die Kilometer nur so hinter uns ließen und quasi nur alle 10 Kilometer eine Pause machten.

Dann konnte man am Horizont die ersten nicht natürlichen Bewegungen erkennen. Neonfarben, die nichts mit der Natur hier oben zu tun hatten, verrieten das wir uns unserem Ziel näherten. Wir sahen zum „ersten“ Mal wieder Menschen hier draußen. Hatte man sie sonst nur in den Hütten gesehen, konnte man sie diesmal auch draußen erkennen.

Die ersten Zelte wurden gesichtet und somit müssten wir ziemlich nahe an der Zunge sein. Die Augen wurden immer größer und wir erreichten unser eigentliches Nachtlager. Die Reinaskorsbu.
Diese war auf meiner Karte als Unterkunft angegeben. Was an sich auch nicht falsch war, allerdings handelte es sich um eine Notunterkunft.
Diese hatte einen Ofen und ein Doppelbett. Allerdings verrieten die Mäuse am Fußboden, dass es auch ziemlich luftig sein müsste.
Und somit machten wir das, was wir auch anfangs geplant hatten.
Wir schlugen unsere Zelte ganz in der Nähe auf.

Gar nicht so leicht hier oben einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Der Boden ist ziemlich steinig, was es nicht gerade leicht macht, die Heringe in den Boden zu stecken.

Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen hatten, mussten wir noch sämtliche Fixpunkte mit schweren Steinen beschweren, denn der Wind versuchte immer wieder die Heringe heraus zu reißen.

Als dann alles sicher war, machten wir uns auf zur Trolltunga, um mal einen Blick zu riskieren. Gute 20 Touristen war noch hier oben und es war schon später Nachmittag. Alex und ich entschieden uns wieder zurück zu den Zelten zu gehen, um uns etwas auszuruhen.

Mir ließ die Natur allerdings keine Ruhe und ich musste wieder hinaus. Ich wanderte also etwas ohne Gepäck in der Gegend rum. Zuerst gingen wir zum nahe gelegenen Geocache (GC1T95H) genossen die Aussicht und machten uns dann wieder auf den Weg zurück. Am Zelt angekommen krabbelte Alex dann in sein Zelt.
Die Geräusche die kurzer zeit später aus seinem Zelt kamen, verrieten mir, dass er schlief und ich wanderte erneut zur Trolltunga.

Hier war ich nun ganz alleine. Keine Spur mehr von Menschen, abgesehen von den Hinterlassenschaften von ihnen.

Der Ausblick von hier oben war einfach sagenhaft. Lange war es her, dass ich so weit in die Ferne blicken konnte. Leider war das Wetter nicht das Beste aber immerhin hatte es aufgehört zu regnen.

Langsam kam der Hunger zurück und somit kletterte ich zurück in mein Zelt und kochte mir mein Abendessen.

Dann kam die Nacht. Der Wind hatte erneut an Kraft bekommen und ich machte mir Sorgen und Gedanken darüber, ob schonmal ein Wanderer mit samt seinem Zelt vom Wind mitgenommen wurde.
An sich stelle ich mir das nicht sonderlich schlimm vor, nur der Gedanke das wir wenige Meter von der Klippe entfernt sind, machte mir dann doch Kopfzerbrechen.

Nun denn, Ohrenstöpsel in die Ohren und einfach hoffen das man am nächsten morgen wieder aufwacht.
Entfernung: 7,89 Kilometer – Zeit: 2std 35min


 

– Etappe 6 –

Dies war natürlich der Fall und somit bereiteten Alex und ich unser Frühstück vor. Ich wusste nämlich ganz genau, dass ich nicht ohne Essen im Magen den Abstieg schaffen würde. Die Sonne kletterte schon über die ersten Bergkuppen und es versprach endlich wieder ein toller Tag zu werden.

Danach gingen wir dann in der Früh (07:30am) zur Trolltunga, um auch unser „Selfie“ zu machen. Und wir waren nicht die Ersten. Allerdings waren wir gerade mal 6 Leute und somit hatten wir alle Zeit der Welt um Bilder zu machen.

Und ja, ich habe mich getraut auf die Kante der Trolltunga zu setzen.

Nach einer Weile hatten wir unser Camp wieder abgebrochen und in unseren Rucksäcken verstaut. Nun ging es ein letztes mal an der Trolltunga vorbei wo man schon erkennen konnte, welcher Ansturm hier gleich toben würden. Wir suchten und loggten noch schnell den Geocache (GC1T9XT) und wanderten weiter.

Immer weiter ging es hinab und immer mehr und noch mehr Menschen kamen uns entgegen. Es war quasi so, als wäre ein Zug eingefahren und alle Passagiere aus dem Zug kommen einem entgegen.

Von alt bis jung, sportlich bis – naja unsportlich, eben wo man sich sofort fragte „Wie kommt dieser Mensch bloß wieder zurück?“

Vielen fragten uns immer wieder die selben Fragen: „Ist es noch weit?“
Und mit einer Gesamtlänge von 15 Kilometern in eine Richtung macht man als Tagesgast gute 30 Kilometer. Dazu kommen dann noch die etlichen Höhenmeter und das raue Wetter Norwegens. Welches sich allerdings heute von einer angenehmen Seite zeigte.

Der Besucherstrom riss einfach nicht ab. Und man konnte die ersten Zweifel in den Gesichtern erkennen.
Zum Glück hatten Alex und ich uns nicht dazu entschieden abzubrechen und die Trolltunga als Tagesausflug zu besteigen.

Die weiteren zwei Notfallhütten verrieten, dass es in der Vergangenheit schon zu Vorfällen gekommen sein müsste, wo es Wanderer einfach nicht mehr geschafft haben hinab zu kommen.

Landschaftlich war es heute wieder eine absolute Augenweide, der Weg allerdings sollte mit einer zu den körperlich schwersten werden.

Hinab über loses Geröll und Stein führte der Weg uns ins Tal. Und das letzte Stück war dann eine weitere Herausforderung. Hier ging es dann gefühlt senkrecht hinunter.

Sämtliche Steine waren rutschig und Seile wurden als Hilfestellung angebracht.

Wer hier untrainiert oder gar zum ersten Mal wandern geht hat echt verloren.

Und dann kam auch schon der Zeitpunkt und man hatte nach Tagen wieder Asphalt unter den Füßen.
Auf den Parkplatz angekommen legte ich meinen Rucksack nieder und wartete ein paar Minuten auf Alex und Pinky.

Beide waren genau so froh wie ich, dass wir den Abstieg hinter uns gebracht und uns nicht die Hacken gebrochen hatten.
Entfernung: 12,11 Kilometer – Zeit: 3std 55min


 

An einer Touristenbude holte ich uns dann erst einmal eine heiße Waffel und ein kohlensäurehaltiges koffeiniertes Getränk. Währenddessen fragte ich den Verkäufer gleich nach dem Bus, der hier wohl hoffentlich vorbei kommt.
Sein Gesichtsausdruck verriet mir aber, dass er die Frage schon oft gehört haben muss, denn seine Antwort kam so prompt „Hier kommt kein Bus“ und ließ mich kurz erstarren.

Draußen erklärte ich Alex dann, dass wir trampen oder weitere 7 Kilometer wandern müssten.
Natürlich hatte Alex seine Sachen ebenfalls auf den Boden ausgebreitet als ich zwei Asiaten ( Land leider unbekannt, ich fragte zwar nach aber hatte noch nie von diesem Land gehört) fand, die so freundlich waren und uns mit nahmen.
Einzige Bedingung – jetzt und sofort, denn in 3 Stunden geht der Flieger von Oslo.

Ich hatte Alex noch nie so schnell einen Rucksack packen gesehen und wir schmissen unsere Ausrüstung nur so in den Leihwagen, damit wir ja nicht weiter wandern müssten.

Im nächsten Ort machten wir den nächsten fliegenden Wechsel, damit die Jungs ihren Flieger in Oslo noch erreichen.

Nur kurze Zeit später an der Bushalte kam dann die nächste Mitfahrgelegenheit und unsere Frage an den Busfahrer war, ob wir mit Kreditkarte bezahlen können. Diese verneinte er leider, aber gütig wie die Skandinavier eben sind, nahm er uns die 45 Kilometer dennoch mit.

Zurück in Kinsarvik gingen wir als erstes in den örtlichen Supermarkt und kauften uns alles das worauf wir gerade Hunger und Durst hatten. Wasser hing uns mittlerweile zum Hals raus und auch die Zuckerspeicher wollten wieder aufgefüllt werden.

Dann war es nur noch ein Katzensprung zum Auto und wir waren endlich wieder zurück und konnten unsere Ausrüstung im Auto verstauen.

Wobei einfach „Hineinwerfen“ besser passt.


Entfernung: 87,47 Kilometer – Zeit: 6 Tage – Höhenmeter: 2,793m + Höhe max: 1,485m 

Nachdem wir uns noch ein wenig frisch gemacht hatten, brachen wir auch schon wieder die Heimreise an.

Wir fuhren also wieder Richtung Süden und nach ein paar Stunden hatte ich dann auch schon wieder genug vom Auto fahren. Ich suchte uns einen kleinen schönen Platz an einem Fluss heraus.
Normalerweise durfte man hier nicht stehen, denn es handelte sich nur um einen Fuß und Fahrradweg. Aufgrund dessen, dass wir aber spät am Abend angekommen sind, blieben wir hier einfach stehen.
Mehr als uns darauf hinzuweisen und wegschicken, dass wir hier nicht stehen durften, konnte uns ja auch nicht passieren.

Am nächsten morgen wurden wir von dem herrlichen Geplätscher geweckt. Die Sonne versteckte sich allerdings noch hinter den Bergen.


Ich bereitete dann unser Frühstück vor und währenddessen ging Alex mit Pinky zum nächsten Geocache (GC1WAKM).

Danach ging es dann weiter Richtung Süden. Heute machten wir allerdings ein paar mehr Kilometer als gestern.
Immer wieder genossen wir beide den Ausblick in die Natur und fuhren Kilometer für Kilometer.
Aufgrund dessen, dass wir unsere Heimreise einen Tag zu früh begonnen haben, entschied ich mich an einem schönen Rastplatz eine Pause einzulegen.
Dieser war dann doch so schön, das Alex und ich beschlossen die Nacht hier zu verbringen. Den Geocache (GC2Y7BD) suchten wir hier allerdings vergeblich.

Nach einer ausgiebigen Nacht fuhren wir dann am nächsten Morgen die restlichen Kilometer bis nach Kristiansand, um dort auch noch den ein oder anderen Geocache zu suchen.
Zum Abend hin ging es dann wieder auf die Fähre und hier endete unsere Reise.

Die nächsten zwei Tage genossen Alex und ich dann die Zeit in Dänemark bevor ich ihn zum Bahnhof fuhr und mich von den beiden verabschiedete.

Weitere führende Links:

weitere Bilder —>

Der Norwegische Wanderverein – DNT  (deutsch)
Hele Norges turplanlegger – Übersichtskarte (norwegisch)
Berufsgeocacher – Blog

4 Gedanken zu “[ Expedition ] Durch die Hardangervidda zur Trolltunga

  1. Ein toller Bericht über eure Wanderung. Man denkt immer, die Trolltunga ist ein (zwar tolles, aber …) sehr mainstreamiges Ziel.
    Aber mit eurer Mehrtageswanderung und der Übernachtung war es ein echt abenteuerliches Unternehmen.

    Sehr toll!

    1. Moin moin,

      vielen Dank. Ich bin selber auch sehr froh so zur Trolltunga gekommen zu sein und nicht wie viele eine „Ein-Tagestour“.
      Somit hat man deutlich viel mehr Eindrücke von der ganzen Natur und Landschaft.

      Greetz

  2. Hi,
    einen so herrlichen Reisebericht habe ich lange nicht mehr gelesen. Einfach grossartig geschrieben, ich fühlte mich, wie mitgenommen.
    Soviele Eindrücke von der wunderbaren Landschaft, sowas nimmt man mit und prägt einen für das weitere Leben.

    Ich danke dir für deinen super Bericht, mach weiter so.

    LG Ulli

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